Lernen mit digitalen Medien: Kompetenzen fördern:

Wie können mit digitalen Medien Schlüsselkompetenzen gefördert werden? Welche digitalen Werkzeuge eignen sich, um Informationen zu recherchieren, Inhalte zu visualisieren oder Ideen zu sammeln? Welche lassen sich für kollaboratives Schreiben oder für kreatives Arbeiten einsetzen? Welche unterstützen das Üben und Wiederholen? Und mit welchen lassen sich eigene Medienprodukte erstellen? Eine Übersicht zu Apps und Tools, ausgehend von Kernkompetenzen für das 21. Jahrhundert.

Kompetenzorientiertes Lernen für eine zeitgemäße Bildung

Welche Kompetenzen brauchen Kinder und Jugendliche, um in einer Welt voller Ungewissheiten bestehen zu können? Im Zusammenhang mit den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts werden oft vier Schlüsselkompetenzen genannt, die für die Bewältigung der aktuellen und künftigen Probleme als zentral angesehen werden: «Kommunikation», «Kreativität», «Kollaboration» und «Kritisches Denken».

Zeitgemäße Bildung zeichnet sich durch aktives entdeckendes Lernen mit und über digitale Medien aus. Schüler*innen lernen SELBST zu denken, zu lernen und zu handeln. Sie setzen sich in Projekten mit echten Problemen auseinander und lernen, diese GEMEINSAM zu bewältigen. Sie werden in authentischen Lernsituationen herausgefordert, NEUES zu wagen und kreative Lösungen zu finden. Und sie lernen, miteinander konstruktiv zu kommunizieren, sich MITZUTEILEN und ihre eigene persönliche Stimme zu finden. Aufgrund ihrer sozialen und interaktiven Eigenschaften haben digitale Medien grosses Potenzial, kritisches Denken, Kollaboration, Kommunikation und Kreativität zu fördern. Dabei geht es nicht um den Einsatz digitaler Tools als Selbstzweck, sondern vielmehr darum, sie einzusetzen, um das eigene Lernen und Handeln zu reflektieren, mit Partner*innen produktiv zusammenzuarbeiten, Antworten auf eigene Fragen zu finden, kreativ zu sein, aktiv zu werden und Veränderungen zu bewirken, zu verstehen und verstanden zu werden.

Informationen recherchieren, kuratieren & bewerten

Die Fähigkeit, gezielt nach Informationen zu suchen, diese kritisch zu prüfen und für das eigene Lernen zu nutzen, ist eine Schlüsselkompetenz in der aktuellen Informationsgesellschaft. Zur Bildung in der digitalen Welt gehört, dass Schüler*innen wissen, wie sie im Internet recherchieren und herausfinden können, welche Quellen relevant und glaubwürdig sind. Lernende müssen fähig sein, Medieninhalte zu analysieren und Interessenslagen zu erkennen. Informationen nicht unbesehen zu übernehmen, sondern diese kritisch zu bewerten, ist gerade in Zeiten von Fake News und «Infodemie» wichtig (Medienkompetenz).  In der Flut der Informationen bedeutungsvolle und nützliche Inhalte auszusortieren, sie in einen sinnvollen Zusammenhang zu stellen und eine eigene Sammlung zu erstellen, ist eine Kernkompetenz in der Wissensgesellschaft, für die oft auch der Begriff «Kuratieren» gebraucht wird. Beim Kuratieren von Inhalten geht es darum, die besten Artikel, Infografiken, Videos usw. auszuwählen, sie zu kommentieren, zu präsentieren und mit anderen zu teilen.

Inhalte ordnen, analysieren & visualisieren

Die Fähigkeit, Inhalte zu ordnen, zu analysieren und zu visualisieren, hängt eng mit der Kompetenz «Informationen recherchieren, kuratieren & bewerten» zusammen (und ist von dieser auch nicht trennscharf abzugrenzen). Hier geht es darum, sich einen Überblick zu verschaffen, Sachverhalte zu gliedern und strukturieren, Zusammenhänge darzustellen und zu visualisieren, Muster zu erkennen und (sich selbst) zu erklären.

Um Inhalte vertieft zu verstehen, benötigen Schüler*innen (meta-)kognitive Lernstrategien, die ihnen helfen, das erfolgreich zu tun. Sie brauchen ordnende Strategien (z.B. Schlüsselbegriffe markieren) und verknüpfende Strategien (z.B. eine Skizze machen) (Lernstrategien; Lesestrategien) sowie praktische Methoden, um Zusammenhänge zu visualisieren und Beziehungen herauszuarbeiten (Visualisieren im Unterricht).

Fragen & Ideen sammeln

Das Internet bietet einen riesigen Fundus an Informationen, auf die jederzeit und (fast) von überall zugegriffen werden kann. Damit Informationen zu aktivem Wissen werden, müssen sie durch eigene Fragen erschlossen werden. Im Sinne einer zeitgemäßen Bildung geht es weniger darum, fertige Antworten auf Faktenfragen zu geben, als vielmehr die richtigen Fragen zu stellen, Antworten zu entwickeln und gefundene Lösungen bewerten und nutzen zu können.

Tief gehende Lernprozesse werden durch Fragen angetrieben. Die Fähigkeit, eigene Fragen zu stellen, eröffnet Spielräume für das Erkunden und Ausprobieren, für kritisches, kreatives und problemlösendes Denken. Sich nicht vorschnell auf eine einzig richtige Antwort zu fixieren, sondern in Varianten zu denken, Hypothesen zu bilden und Chancen und Risiken abzuwägen, öffnet Lösungsräume und trainiert flexibles Denken. Was Schüler*innen brauchen, sind Denkwerkzeuge, die sie dabei unterstützen, persönlich bedeutsame Fragen zu stellen und gemeinsam Ideen zu sammeln. Dies können analoge Denkwerkzeuge sein (Fragewürfel und Fragefächer) oder digitale (Offene Web-Tools/ Fragen und Ideen sammeln).

Medienprodukte erstellen, präsentieren & publizieren

Die Schüler*innen können Gedanken, Meinungen, Erfahrungen und Wissen in Medienbeiträge umsetzen und unter Einbezug der Gesetze, Regeln und Wertesysteme auch veröffentlichen. So oder ähnlich beschreiben aktuelle Bildungs- und Lehrpläne die aktive Medienkompetenz. Wenn Lernende selbst Medienbeiträge produzieren, verbindet sich das Lernen über Medien mit dem Lernen mit Medien. Wer eigene Videos oder Podcasts herstellt, lernt digitale Tools anwenden und muss sich inhaltlich mit fachlichen Fragen und Zusammenhängen auseinandersetzen. Die Erstellung einer Infografik oder eines Flyers verlangt, das Verstandene zu knappen Aussagen zu verdichten.  Wer eine Geschichte erzählen, einen Bericht oder Kommentar schreiben will, kann sich überlegen, welche Veröffentlichungsform die eigene Botschaft am besten zu transportieren vermag: ist es ein Blog, ein eBook, eine digitale Schülerzeitung oder eine multimediale Präsentation?  Um solche Medienprodukte herzustellen, brauchen Schüler*innen Freiräume, um in kleineren oder grösseren Projekten selbstorganisiert arbeiten zu können. Und gleichzeitig benötigen sie Unterstützung und Lernbegleitung durch die Lehrperson, damit sie auftauchende Probleme meistern und mit Elan und Durchhaltevermögen ihre Medienprodukte herstellen können. Dabei ist es für Kinder und Jugendliche besonders motivierend, kooperativ einen Medienbeitrag zu gestalten, diesen anderen präsentieren zu können und dafür auch Feedback zu erhalten. Mittlerweile gibt es eine Fülle von Praxis bewährten Tools, mit denen Schüler*innen Wissen und Können praktisch anwenden und mit ihren Medienprodukten Kompetenzen demonstrieren können.

Digitale Tools für vielfältige Medienbeiträge

Das Internet bietet eine grosse Toolbox für aktives Medienhandeln. Mit digitalen Medien lassen sich oft auf einfache Weise ansprechende Medienprodukte herstellen. Aber welche digitalen Werkzeuge eigenen sich für bestimmte Medienprodukte? Hier finden Sie Links zu Toolbeschreibungen, Tutorials und Ideen für Medienprojekte, die den Wechsel vom eher passiven Aufnehmen zum aktiven Produzieren befördern:

Audio – Radio – Podcasts | BlogsBild | E-Books – digitale Magazine/Zeitungen | Comics | Infografiken – Plakate | Präsentationen | Video | Website | Web-Pinnwand – Whiteboard

Audio – Radio – Podcasts

Audio- und Radioprojekte ermöglichen die nach wie vor tragende Rolle des Mediums Ton in digitalen Produktionen kreativ und vielseitig einzusetzen und sind Lernprodukte für ausnahmslos alle Fachbereiche. Im Vordergrund stehen dabei die jeweiligen Themen, die durch den Medieneinsatz auf eine besondere Art erarbeitet, umgesetzt und präsentiert werden können und diese mediale Umsetzung wiederum verstärkt die Motivation, sich mit dem gewählten Thema intensiv(er) auseinanderzusetzen.

Die nötigen, nicht umfangreichen Anschaffungen für Audioprojekte sind entweder meist vorhanden oder aber bereits in den Taschen der Schüler*innen: das Smartphone kann zum Aufzeichnen problemlos genutzt werden. Radioformate können einzeln erstellt oder zu einer Sendung kombiniert und allenfalls im eigenen Schulradio gesendet werden.

Podcasts sind Mediendateien, die verschiedenste Inhalte hörbar machen. Im Gegensatz zu Radiobeiträgen sind Podcasts zeitunabhängig verfügbar. Podcasts lassen sich im Unterricht als Konserve einsetzen oder als Projekt produzieren und präsentieren.

Blogs

Blogs sind Tagebücher im Internet (Web-Logbücher). Sie lassen sich ohne Programmierkenntnisse leicht produzieren. In einem Blog veröffentlichen Autor*innen (Blogger*innen) wichtige Informationen, kommentieren aktuelle Ereignisse und Trends oder veröffentlichen andere selbsterstellte Texte oder Fotos. Die Leser*innen können die Einträge in der Regel kommentieren und gemeinsam mit Autoren*innen und weiteren Lesern*innen diskutieren.

Bilder

Ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte: für junge Menschen sind Bilder ein wichtiges Werkzeug zum Selbstausdruck. Ausdruck für Zugehörigkeit und Abgrenzung und damit ein nicht zu unterschätzender Teil der Persönlichkeitsentwicklung.

Auch bei Fotoprojekten steht nach intensiver Prozessarbeit das eigentliche Produkt im Vordergrund und will gezeigt und mit Feedback auch wertgeschätzt werden. Fotografie kann sowohl als Kunstform zum Einsatz gelangen als auch (medien)pädagogisches Werkzeug für verschiedene Projekte in allen Fachbereichen sein. Bilder ermöglichen zudem einen Perspektivenwechsel: lernen, sich auf relevante Details zu konzentrieren und die Welt auf einen Ausschnitt reduziert wahrzunehmen, darüber nachzudenken und kreativ weiter zu entwickeln.

E-Books – digitale Magazine/Zeitungen

E-Book ist das englische Kurzwort für ein elektronisches Buch: eine Veröffentlichung, bestehend aus Text und Bild (und zunehmend auch anderen multimedialen Elemente wie Video, Musik, …) in digitaler Form. In der Regel auf einem Computer erstellt und dazu bestimmt, auf einem anderen elektronischen Gerät gelesen zu werden.

Die Herstellung von E-Books ist in allen Klassenstufen und Fachbereichen möglich und bietet eine grosse Vielfalt an Umsetzungsideen in Einzel- oder Gruppenarbeit: Portfolio, Lerntagebuch, Comic, Fotobücher, interaktive Bücher, Gedichtband, Märchenbuch, Reisetagebuch, … .  Oft weniger umfangreich als E-Books, aber zur gleichen Familie von Medienprodukten gehören auch digitale Magazine/ Zeitungen.

Comics

Keine Frage, Comics beflügeln unsere Fantasie und erklären anschaulich und unterhaltsam komplexe Geschichten und Konzepte in Bilder und Dialoge verpackt. Bilder, Texte und Emotionen zusammensetzen und die eigenen Ideen zum Leben erwecken, das sind kreative Prozesse, zu denen Lernende einen unkomplizierten und schnellen Zugang finden, da die Bilder den Umgang mit der Sprache um einiges erleichtern und somit auch allfällige sprachliche Hürden oftmals einfacher und motivierter zu bewältigen sind.

Infografiken – Plakate

Eine gute Infografik stellt komplexe und vielfältige Informationen, Daten und Inhalte anschaulich und verständlich dar. Diese bildliche Darstellungsart erleichtert so das Verstehen, indem sie unsere Wahrnehmungsfähigkeit breiter bemüht als dies eine rein textliche Darstellung vermag. Wir wissen, dass visuelle Inhalte bis zu 60’000 Mal schneller verarbeitet werden können als ein vergleichbares Schriftstück. Diese Tatsache ermöglicht es Lernenden, Bild und Sprache in Kombination zu visualisieren und damit eine intensive Wirkung der unterschiedlichsten Inhalte aus allen Fachbereichen und in verschieden grossem Umfang (Infografik und/ oder Plakat) zu erzielen.

Apps & Tools

Präsentationen

Die Fähigkeit, Inhalte zu präsentieren, bei dem ein Medium das gesprochene Wort sinnvoll ergänzt, gehört sicher zu den Schlüsselqualifikationen in unserer Zeit. Digitale Präsentationstechniken nehmen dabei eine immer größere Rolle ein. Diese Fähigkeit kann man unabhängig vom Thema in der Schule, im Studium, im Beruf und auch im Privatbereich anwenden. Aber auch Präsentieren will gelernt sein, denn in einer bewussten Gestaltung und Aufbereitung von Inhalten für eine bestimmte Zielgruppe spielen auch «digitale Faktoren» eine Rolle: Anwendungsprogramme werden erlernt und können angewendet werden, Gestaltungsaspekte wie Einsatz von Schrift, Farben und Aspekte wie Lesbarkeit und Visualisierung sollen beachtet werden. Denn: Gute Präsentationen haben eine hohe Lernwirkung!

Video

Keine Frage, bewegte Bilder sind beliebt, faszinieren und motivieren: 70% aller jungen Menschen im Alter von 14 – 29 Jahren sehen sich mindestens einmal pro Woche Videos auf Onlineportalen an. Auch im schulischen Kontext lassen sich Videos sinnvoll einbinden. Erklärvideos helfen Schülern*innen, komplexe Informationen schneller zu erfassen und diese im Gedächtnis zu verankern. Und wenn sie selbst Lernvideos produzieren, sind Lernende gefordert ein Sache vertieft zu verstehen, um sie andern anschaulich erklären zu können. Zudem fördert Videoarbeit Kreativität, Eigenständigkeit, Teamarbeit wie auch die Kompetenz, Bilder zu lesen und zu verstehen, besonders effektiv. Eine äusserst wichtige Voraussetzung zum kritischen Umgang mit verschiedenen Medieninhalten.

Website

Das Erstellen von Websites als Lernformat ermöglicht begeisterndes Lernen in kooperativen Settings und fördert die Entwicklung der Fähigkeit zu problemlösendem Denken und Handeln. Gestaltungsfreiheit und Selbstverantwortung setzen Kreativität frei und beteiligen die Schüler*innen an der Gestaltung ihres eigenen Lernraums. Dabei können verschiedene multimediale Inhalte wie Texte, Zeichnungen, Bilder, Fotos, Grafiken, Videos und Audioinhalte eingefügt und miteinander kombiniert werden.

Apps & Tools

Web-Pinnwand

Gemeinsam und gleichzeitig Ideen, Gedanken und Dokumente sammeln, ordnen, verwalten, organisieren, Inhalte austauschen und für alle sichtbar präsentieren: die digitale Pinnwand verbindet. Alle kommen zu Wort, wenn Schüler*innen auf einer digitalen Pinnwand live Kommentare, Argumente, Bilder oder Links posten.

Apps & Tools

Kooperatives und interaktives Schreiben

Die Fähigkeit, gemeinsam Texte zu schreiben und auf Beiträge von andern zu reagieren, ist eine wichtige Kompetenz im Unterricht und in der Arbeitswelt. Kooperatives oder kollaboratives Schreiben knüpft an wichtige Kompetenzziele der Lehr- und Bildungspläne an: Schüler*innen sollen gemeinsam Schreibideen finden, Texte inhaltlich und sprachlich überarbeiten und Qualitäten ihrer Schreibprodukte einschätzen und besprechen können. Methodisch umgesetzt werden kann das Kooperative Schreiben mit Autorenrunden und Schreibkonferenzen, mit Schreibwerkstätten, mit Blogs, mit der Herstellung einer Website oder mit offenen Webtools wie Etherpads, mit denen mehrere Personen gleichzeitig an einem gemeinsamen Text arbeiten können.

Kommunizieren, interagieren & kooperieren

In einer unsicheren Welt mit Herausforderungen, die niemand allein bewältigen kann, sind Kooperations- und Kommunikationskompetenzen (lebens-)wichtig. Mit andern zusammen Lösungen suchen. Perspektiven wechseln und sich in andere hineinversetzen. Persönliche Interessen einbringen und zugunsten gemeinsamer Ziele hintanstellen. Einander zuhören und sich Gehör verschaffen. Diese Fähigkeiten gehören nicht nur zu den wichtigen Future Skills des 21. Jahrhunderts, sondern sind ein Schlüssel für Lernprozesse, die Schüler*innen motivieren, weil es auf jeden und jede einzelne ankommt. Richtig eingesetzt bieten digitale Medien Chancen für gegenseitigen Austausch, für gemeinsame Verantwortungsübernahme und wechselseitige Unterstützung. Wenn digitale Medien in kooperative Lern- und Arbeitsformen eingebettet werden, stehen die Chancen gut, dass Kinder und Jugendliche voneinander, füreinander und miteinander lernen.

Feedback einholen, Vorwissen und Meinungen sichtbar machen

Das Vorwissen, über das Schüler*innen verfügen, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen. Das Vorwissen verhält sich zum Aufbau von Kompetenzen wie eine Insel zum Meer. Je grösser das Vorwissen ist, desto umfangreicher sind die «Ränder», an denen sich neues Wissen und Können «andocken» kann. Konkret: je mehr Vorwissen vorhanden ist, desto höheren Nutzen kann der oder die Lernende aus einem bereitgestellten Lernangebot ziehen. Und umgekehrt: je besser das Lernangebot auf das Vorwissen der Schüler*innen zugeschnitten ist, desto besser gelingt es diesen, neues Wissen und Können zu integrieren und damit die eigenen Kompetenzen weiter aufzubauen.

Für Lehrer*innen ist es deshalb wichtig, das Vorwissen und den Lernstand ihrer Schüler*innen zu kennen. Bewährte Mittel dazu sind neue Formen einer prozess- und produktorientierten Bewertung, Lernjournale und Lerntagebücher, formative Lernkontrollen, Feedbacks zu Lernprodukten, Kompetenzraster und Portfolios. Und als einfacher und wenig aufwändiger Ansatz: Lernende direkt im Lerngespräch, mit dialogischen Feedbackformen oder digitalen Rückmeldetools nach ihrem Lernstand, Verstandenem, Schwierigkeiten und nach einer Einschätzung ihrer Kompetenzen zu fragen.

Kreieren, komponieren & gestalten

Kreativität wird neben Kollaboration, Kommunikation und Kritischem Denken zu den Future Skills des 21. Jahrhunderts gezählt. Nicht zufällig gilt auch in der am häufigsten verwendeten Taxonomie der Lernziele von Bloom, das Kreieren und Entwickeln als höchste Stufe des Wissens und Könnens. Wer Neues schaffen will, muss Wissen verstehen und anwenden können. Er oder sie schafft sich damit eine Grundlage, um mit Ideen zu spielen und diese zu neuem Wissen zu kombinieren. Aber auch das Umgekehrte gilt: Grundlagenwissen lässt sich durch gestalterische Projekte erwerben, für deren erfolgreiche Realisierung es eben auch fundiertes Wissen braucht. Das angewandte Wissen beweist sich dann im Produkt, das funktioniert.

Digitale Tools bieten für diesen zweiten Weg, für das Tüfteln, Erfinden und Entwickeln eine riesige Spielwiese, die zum Ausprobieren und Selbermachen einlädt. Der sogenannten Maker-Pädagogik kommt das Verdienst zu, diese Spielwiese zum einem pädagogisch fruchtbaren Raum gestaltet zu haben. In Making-Projekten können Lernende sich mit digitalen Technologien im «Learning by doing» üben. Das «digitale Do-it-Yourself» der Maker-Pädagogik bietet spannende Projekte. Dabei ist die Spannweite gross: von spielerischen Einstiegen ins Programmieren, über einfachen Roboterbau, Arbeit mit LEDs, 3D-Modellierung und -Druck,  bis zu Foto- und Filmprojekten, – für jede Altersstufe und verschiedenste Interessen finden sich attraktive Angebote, die das kreative digitale und handwerkliche Gestalten fördern.

Problemlösen, handhaben & programmieren

«Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel.» Dieses verschiedenen Berühmtheiten unterschobene Zitat aus einem analogen Zeitalter bringt ein Problem mangelnden digitalen Anwendungswissens auf den Punkt. Wer nur wenige Tools kennt und keine Vorstellung davon hat, welche digitalen Werkzeuge für welche Arbeiten geeignet sind, wird häufig viel Zeit am falschen Ort investieren und frustriert von digitalen Anwendungen für Unterricht und Lernen absehen.

Obwohl viele Kinder und Jugendliche digitale Anwendungskompetenzen intuitiv und nebenbei lernen, kann nicht davon ausgegangen werden, dass alle Schüler*innen (und Lehrer*innen) wissen, wie sie technische Probleme lösen, Geräte sicher bedienen oder Software effizient und kreativ einsetzen können.

Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Websites mit einem grossen Angebot an frei zugänglichen Kursen, Lernumgebungen und Video-Bibliotheken zur Einführung in die Informatik, zum Programmieren von Apps, Games und eigener Websites. Besonders empfehlenswert: code.org und Programmier-Challenges für Schüler*innen der Primar- und Sekundarstufe. Daneben gibt es offene Webtools, mit denen erste Schritte im Umgang mit Computer-Sprachen gemacht werden und einfaches Programmieren und Coden gelernt werden kann, zum Beispiel: Scratch, CodiMD, Glitch.

Üben, wiederholen & vertiefen

Damit Wissen langfristig verfügbar ist, braucht es beim Lernen Übungsrunden und Wiederholungsschlaufen. Doch welche Art von Üben ist produktiv und welche Form des Wiederholens ist mehr als Büffeln mit viel Aufwand und wenig Ertrag? Wir wissen aus der Lernforschung: Je (inter-)aktiver und in persönlich bedeutsameren Zusammenhängen gelernt wird, je tiefer die Verarbeitung ist, je mehr Üben und Wiederholen mit Lernstrategien verknüpft werden, desto mehr führt dies zu intelligentem Wissen, das sich auch in anderen (Lern- und Lebens-)Zusammenhängen fruchtbar einsetzen lässt. Desto weniger entsteht «isoliertes Inselwissen», das verkümmert, weil kaum jemand auf Besuch kommt.

Wie können digitale Medien dazu beitragen, dass das Üben und Wiederholen von den Schüler*innen als abwechslungsreicher, fokussierter und deutlich motivierender erlebt wird als das reine Auswendiglernen aus dem Buch? Digitale Medien können mehrere Sinne ansprechen und das zu Lernende visuell, auditiv und interaktiv verankern. Tools ermöglichen unterschiedlichste interaktive Übungen und (Lern-)Spiele, wie beispielsweise Kreuzworträtsel, Paare zuordnen, Multiple-Choice-Fragen-Quiz, die von Lehrer*innen genauso wie von Schüler*innen genutzt oder auch ganz einfach selbst erstellt werden können. Kurze Frage-Antwort-Dialoge können einleitend die zentralen Inhalte wiederholen, zusätzlich lassen sich YouTube-Videos, Chatfunktionen oder Bilder einfügen. Besonders wertvoll sind digitale Anwendungen, die Selbstkontrolle von Vokabeln, Fakten, Lösungswegen oder Ergebnissen ermöglichen. Das unmittelbare digitale Feedback unterstützt so die Selbststeuerung von Lernprozessen. All diese Funktionen können Schüler*innen dazu motivieren, selbständig in regelmäßigen Abständen zu üben und das Gelernte wieder anzuwenden. Nicht unerwähnt bleiben darf jedoch auch, dass es auch viel berechtigte pädagogische Kritik an Quiz-Apps wie Kahoot gibt: Lernende würden nur «leicht verdauliche Wissenshäppchen» (Lisa Rosa) verabreicht. Häufig würden nur reine Wissensfragen mit vorgegebenen Richtig-/Falsch- Antworten eingesetzt, womit Lernenden der Weg verstellt würde, sich vertieft mit offenen (eigenen) Fragen auseinanderzusetzen. Didaktisch sinnvoll eingesetzt bieten Tools jedoch einige Chancen für effektives Üben, Wiederholen und Vertiefen von Lerninhalten.

Unterricht organisieren – kooperatives und selbstorganisiertes Lernen unterstützen

Guter Unterricht zeichnet sich auch dadurch aus, dass er gut organisiert ist und die Unterrichtszeit effizient für das Lernen genutzt werden kann. Digitale Tools können Lehrpersonen und Schüler*innen dabei unterstützen, Lernprozesse gut zu strukturieren. Sie sind praktische Werkzeuge, wenn es darum geht, reibungslose Übergänge zwischen Stillarbeits- und Austauschphasen zu gestalten oder Helfersysteme zu organisieren. Mit ONCOO zum Beispiel lassen sich (Zufalls-)Gruppen bilden und Gruppenarbeiten mit Kooperativen Lernformen (wie Placemat und Lerntempoduett) durchführen. Classroomscreen bietet kleine Helfer (Widgets) auf einer digitalen Pinnwand (Kartenabfrage, Timer, Uhr, Symbole für Sozialformen). Andere Tools wie Padlet und Zoom ermöglichen das kollaborative Erarbeiten von Inhalten oder eröffnen mit QR-Codes schnelle Zugänge zu Unterrichtsmaterialien, Websites oder Erklärvideos.