«Das Lesen fördert die Identitätsentwicklung des Kindes; es hilft ihm, die Sichtweisen anderer zu verstehen; es lehrt den spielerischen Umgang mit der Sprache.»
Susanne Gaschke

Lesekompetenz:

Texte lesen und verstehen zu können ist eine der zentralen Kompetenzen, die die Schule vermitteln muss. Lesekompetenz versetzt die Schülerinnen und Schüler in die Lage, eigenverantwortlich zu lernen und zu arbeiten. Sie ist notwendig für den Beruf und für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Wer verschiedenste Texte lesen und verstehen kann, hat gute Voraussetzungen, um erfolgreich, mit Freude und Neugier zu lernen.

Lesekompetenz konkret: Methodenkoffer und Lernmaterialien zur Leseförderung

Gelesen heisst noch nicht verstanden

«Nahezu alle Menschen in unserem Lande haben in der Schule lesen gelernt, aber viele Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene können nicht hinreichend gut verstehen, was sie lesen. Und noch entscheidender ist: Sie wissen gar nicht, dass sie es nicht verstehen. Dieses Nicht-Können und Nicht-davon-Wissen ist in der Lernforschung als ein Merkmal eines allgemeinen Problems aufgefallen: Lernende kennen sich als Lernende – und damit ihren Lernprozess, ihre Lernschwierigkeiten – nicht gut genug. Damit korrespondiert, dass viele Lehrerinnen und Lehrer die individuellen Einzelprobleme ihrer Schülerinnen und Schüler vielfach ebenfalls nicht hinreichend gut kennen. In der PISA-Studie haben Lehrkräfte nur etwa 11 Prozent der Schülerinnen und Schüler, die bei den Aufgabenlösungen nicht einmal die Kompetenzstufe I erreichten, auch als ‹schlechte Leser› erkannt. (PISA 2000, Baumert 2001, S. 119) Vielleicht können viele dieser Kinder flüssig lesen – aber offensichtlich nur wenig verstehen.» (Quelle: Rudolf Steffens: Gelesen heisst noch nicht verstanden. In: Forum Schule, Heft 1, 2002)

  • Schüler/innen brauchen Strategien und Lernmethoden, damit sie Texte nicht nur flüssig lesen, sondern auch besser verstehen können.

Sprach- und Leseförderung – eine Aufgabe für alle Fächer und Stufen

Nicht gut lesen können bedeutet weit mehr als ein paar Schwierigkeiten mit gewissen Texten zu haben. Es bedeutet, tiefgreifende Lernprobleme zu bekommen. Häufig sind Sprach- und Leseprobleme die Wurzel von schulischem Misserfolg. Der Deutschunterricht spielt für die Lese- und Verstehenskompetenz zwar eine entscheidende Rolle. Er kann sie jedoch nicht allein wahrnehmen.

  • Sprach- und Leseförderung sollte in allen Fächern und allen Stufen ein wichtiges Thema sein.
  • Das sprachliche Verstehen von Fachtexten zu fördern, liegt im Interesse aller Fachlehrer/-innen.
  • Viele Fachlehrmittel sind sehr «sprachlastig». Fachliche Aufgaben können nur gut gelöst werden, wenn sie sprachlich verstanden worden sind.

Wie steht es um die Lesekompetenz der Schüler/innen?

In der Schweiz wie auch in Deutschland brauchen viele Schüler/innen besondere Förderung im Hinblick auf das Lesenkönnen und Lesenwollen.

  • PISA-Ergebnisse Schweiz
    «So können beispielsweise in der Schweiz 17% der Jugendlichen am Ende ihrer Schulzeit nur die sehr einfachen Texte verstehen, ein Teil von ihnen ist auch dazu nicht imstande. (…) Davon betroffen sind nicht nur Immigrantinnen und Immigranten, sondern auch Menschen, die in der Schweiz aufgewachsen und geschult worden sind.» (Quelle: Andrea Bertschi-Kaufmann (Hrsg.): Lesekompetenz, Leseleistung, Leseförderung, 2007)
  • PISA-Ergebnisse Deutschland
    «42 Prozent aller deutschen 15-jährigen Schüler/innen geben an, nicht zum Vergnügen zu lesen, das ist der höchste Wert unter den europäischen Industrieländern. Fast ein Viertel (23 Prozent) aller deutschen Schüler/innen dieser Altersgruppe erreichen die unterste Kompetenzstufe beim Leseverstehen nicht. Im internationalen Vergleich erreichen unterdurchschnittlich wenige deutsche Schüler/innen dieser Altersgruppe die oberste Kompetenzstufe (9 Prozent).» (Quelle: Forum Schule, Heft 1, 2002)

Fachartikel zum Thema Lesekompetenz

Differenzieren nach Lesekompetenzniveaus
Prinzipien des ökologischen Landbaus
Innerhalb des Kooperativen Lernens hat der Lehrer unterschiedliche Möglichkeiten zu individualisieren. In diesem Beitrag wird aufgezeigt, wie eine Individualisierung anhand unterschiedlicher Lesekompetenzniveaus möglich ist.
Autor/Autorin: Ludger Brüning
Herkunft: Praxis Geographie 6/2013
Umfang/Länge: 6 Seiten
Fächer: Räume, Zeiten, Gesellschaften / Geografie, Geschichte
Erfolgreiche Förderung der Lesekompetenz
Ein Programm zur Schulung der Leseflüssigkeit und des Textverstehens
Lesekompetenz ist entscheidend für die Entwicklung von Lernkompetenz. Aber wie erkenne ich schwache Leserinnen und Leser? Wie kann Leseflüssigkeit und Textverstehen in den Jahrgängen 5 und 6 systematisch gefördert werden? Und wie lässt sich dazu ein Programm in der eigenen Schule implementieren? Ludger Brüning und Tobias Saum haben an ihrer Schule ein Konzept mit Kolleginnen und Kollegen entwickelt, eingeführt und erprobt.
Autor/Autorin: Ludger Brüning, Tobias Saum
Herkunft: PÄDAGOGIK 7-8/18, lizensiert für IQES online © Verlagsgruppe Beltz
Umfang/Länge: 5 Seiten
Flüssig lesen und verstehen lernen
Es ist eine Binsenwahrheit: Die unzureichende Lesekompetenz der Schüler*innen verhindert das erfolgreiche Lernen in der Schule. Und dass dies zu einer Vielzahl von Problemen im Unterricht der Sekundarstufe führt, spüren tagtäglich viele Lehrkräfte. Denn Schüler*innen, die nicht ausreichend lesen können, vermögen auch nicht dem Unterricht zu folgen. Und da kaum ein Fach ohne Texte auskommt, sind meist sehr viele Kolleg*innen betroffen.
Autor/Autorin: Ludger Brüning
Herkunft: nds 10-2017, nds - neue deutsche schule. Hrsg.: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, LandesverbandNordrhein-Westfalen
Umfang/Länge: 2 Seiten
Lesekompetenzförderung durch kooperatives Lernen
In diesem Fachtext geht es um wirksame Lesekompetenzförderung durch kooperatives Lernen. Es geht darum, die Lesekompetenz dahingehende zu fördern, dass der Inhalt gänzlich verstanden wird. Dazu werden Bausteine vorgestellt, die der Erweiterung der Lesekompetenzen dienen.
Autor/Autorin: Ludger Brüning
Herkunft: Lernende Schule, Nr. 33/2006
Umfang/Länge: 6 Seiten
Sachtexte verstehen durch grafisches Strukturieren
Komplexe Sachtexte können von Schülerinnen und Schülern besser verstanden werden, wenn sie mit grafischen Strukturen wie Concept Maps arbeiten. Sie stellen Inhalte differenzierter dar als die bekannten Mind Maps.
Autor/Autorin: Ludger Brüning, Tobias Saum
Herkunft: Deutschunterricht, Nr. 4/2007. Friedrich Verlag in Velber
Umfang/Länge: 3 Seiten
Fächer: Überfachliche Kompetenzen
Stufen: 10. Klasse, 11. Klasse, 12. Klasse, 13. Klasse, 7. Klasse, 8. Klasse, 9. Klasse

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