«Denken heißt forschen, untersuchen, umdrehen, prüfen und ergänzen mit dem Ziel, etwas Neues zu finden oder etwas bereits Bekanntes in einem neuen Licht zu sehen – kurz, es heißt Fragen stellen.»
John Dewey

Lernumgebungen und Aufgabensets mit digitalen Medien gestalten:

Mit Hilfe des «Kompetenzrad digital» lassen sich offene Lernumgebungen und Aufgabensets entwickeln, die natürlich differenzierend wirken und es ermöglichen, dass Lernende gleichzeitig auf unterschiedlichen Leistungs- und Kompetenzstufen arbeiten. Schülerinnen und Schüler wählen Aufgaben oder stellen sich diese selbst, in denen sie eigene digitale Lernprodukte herstellen. Mit der Arbeit an eigenen Lern- und Medienprodukten werden Wissen und Verstehen, Anwenden und Analysieren, Bewerten und Entwickeln und damit unterschiedliche Lernziel- und Kompetenzstufen angesprochen.

von Gerold Brägger und Nicole Steiner, Illustrationen von Nicole Steiner und Isabelle Truniger

Kompetenzrad digital: Motivierende Aufgaben mit digitalen Lernprodukten gestalten

Das Kompetenzrad für das Lernen mit digitalen Medien ist das Pendent zum allgemeinem IQES-Kompetenzrad. Während dieses ermöglicht, differenzierende Aufgaben für analoge und digitale Lernprodukte zu gestalten, zeigt das «Kompetenzrad digital», welche Kompetenzen Lernende mit digitalen Medien erwerben können. Für die Formulierung von Aufgaben und Lernzielen bieten sich Verben an, die aktives Medienhandeln auf den 6 Stufen des Wissens und Könnens unterstützen. Digitale Lernprodukte und Handlungsproben dienen in einem solchen handlungsorientierten Unterricht als Kompetenznachweise.

Tool für einen zeitgemäßen produktorientierten Unterricht

Das Kompetenzrad kann als Werkzeug eingesetzt werden, um Lernaufgaben mit ihrem Potenzial, kognitiv zu aktivieren und Erkenntnisprozesse anzuregen, direkt in den Blick zu nehmen. Mit Hilfe des Kompetenzrads lassen sich auf der Basis der Bloom’schen Taxonomie verschiedenste Aufgabenformate in Kompetenzstufen auffächern und sie so gestalten, dass sie auf allen Stufen lernwirksam eingesetzt werden können.

Durch die Differenzierung von Lern- und Leistungsaufgaben nach Kompetenzniveaus (von „Wissen“ bis hin zu „Entwickeln“) können kompetenzorientierte Leistungen erbracht, wahrgenommen und bewertet werden.

Mit dem Kompetenzrad können Lehrer:innen und Unterrichtsteams

  • bereits erstellte Aufgaben daraufhin prüfen, ob mehrere Kompetenzniveaus angesprochen und gefördert werden.
  • bestehende Aufgaben auf eine Weise anreichern oder neue erstellen, dass sie nach Kompetenzstufen differenzieren.
  • Lernziele mit Verben formulieren, welche die gewünschte Schüleraktivität prägnant beschreiben und den Grad des Verstehens und Könnens deutlich machen.
  • Lern- und Leistungsaufgaben mit Lernprodukten gestalten, in denen Kompetenzen sichtbar werden.

Aufbau der Kompetenzrads

Das Kompetenzrad stellt die sechs Kompetenzstufen in drei Kreisen dar. Der innerste Kreis bezeichnet die Stufen des Wissens und Könnens, der mittlere führt Verben auf, mit denen dazu gehörende Lernhandlungen beschrieben werden können, und der äußere Kreis schließlich führt eine Palette von Lernprodukten und Handlungsproben auf, deren erfolgreiche Realisierung das entsprechende Kompetenzniveau fördern und (er)fordern.

Die «Lernverben» und «Lernprodukte» des Kompetenzrads bieten Lehrenden und Lernenden ein praktisches Vokabular für wirksame Lernaufgaben, die

  • sich auf unterschiedlichen Niveaus lösen lassen.
  • zu tiefem Verstehen und Problemlösen und zum Austausch darüber einladen.
  • Lernprozesse anregen, die in die Tiefe des Wissens und Denkens gehen.
  • dadurch auch vielseitig und zielorientiert besprechbar werden und zu einer gemeinsame Sprache des Lernens beitragen.
IQES-Kompetenzrad digital

Wie können Aufgaben mit digitalen Medien formuliert werden, die tiefes Verstehen und gründliches Beherrschen fördern? Wie können sie auf eine Weise gestellt werden, durch die Kompetenzen sichtbar, beobachtbar und besprechbar werden? Das von uns auf der Grundlage der Bloom’schen Taxonomie erstellte IQES-Kompetenzrad ist ein Werkzeug, um digitale Aufgaben für unterschiedliche Stufen des Wissens und Könnens zu gestalten.

Autor/Autorin: Gerold Brägger, Nicole Steiner

Umfang/Länge: 1 Seite

Fächer: alle Fächer

Stufen: alle Stufen

Beispiele: Lernen mit Erklärvideos (Sekundarstufe I und II)

Schüler*innen als Rezipient*innen von Erklärvideos

1. Wissen

Nenne die inhaltlichen Bestandteile, die ein gutes Erklärvideo ausmachen.

2. Verstehen

Erkläre, wieso bestimmte inhaltlichen Bestandteile in einem Erklärvideo enthalten sein müssen.

3. Anwenden

Stelle die Informationen zusammen, die für ein eigenes Erklärvideo zu einem bestimmten Thema wichtig sind.

4. Analysieren

Vergleiche Erklärvideos. Beschreibe, wie verständlich die Sprache, anschaulich die Beispiele, korrekt die Inhalte und hilfreich die Strukturierung sind.

5. Bewerten

Bewerte Erklärvideos anhand einer selbst erstellten Kriterienliste.

6. Entwickeln

Schreibe ein inhaltliches Storyboard zum gewählten Thema.

Schüler*innen als Produzent*innen von Erklärvideos

1. Wissen

Liste die technischen und gestalterischen Elemente auf, die ein attraktives Erklärvideo auszeichnen.

2. Verstehen

Beschreibe Gestaltungselemente und technische Tipps für die Eigenproduktion von Erklärvideos.

3. Anwenden

Produziere mit der gewählten Hard- und Software Probeaufnahmen.

4. Analysieren

Untersuche anhand der Probeaufnahmen, worauf bei der Aufnahme von Bild und Ton sowie beim Videoschnitt zu achten ist.

5. Bewerten

Stelle die Probeaufnahmen anderer Lerngruppen einander gegenüber und erstelle eine Liste mit nützlichen Tipps.

6. Entwickeln

Produziere selbst ein Erklärvideo.