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Mindset: Flexible Denkweisen und lernfreundliche
Haltungen entwickeln

von Nicole Steiner, Illustrationen von Bruno Fauser

Wie wir lernen und mit Anforderungen umgehen, wird stark durch unsere Einstellungen, Haltungen und Überzeugungen beeinflusst. Die Sozialpsychologin und Stanford-Professorin Carol Dweck hat zahlreiche Studien durchgeführt, um Hinweise auf die Frage zu bekommen, wie Menschen Herausforderungen meistern. Dabei hat sie zwei verschiedene Mindsets (Denkmuster, Haltungen) entdeckt, die einen starken Einfluss auf das Selbstbild und die Motivation von Lernenden haben: ein starres Mindset, das Leistungen verhindert und die Bereitschaft zur Anstrengung unterdrückt. Und ein wachstumsorientiertes Mindset, das vom Glauben an die eigene Lernfähigkeit ausgeht.
 

 

Ein starres Mindset glaubt, dass Intelligenz und Begabungen angeboren sind und nicht verändert werden können

Ein starres Mindset geht von der Vorstellung aus, dass Intelligenz und Können von Geburt an vorgegeben sind und damit nicht oder kaum verändert werden können. Intelligent ist der, der etwas schnell und perfekt erledigen kann oder dem etwas viel leichter fällt als anderen. Niederlagen und Rückschläge im Lernen werden als persönlicher Misserfolg erlebt. Anstrengungen, bei denen man scheitern könnte, werden vermieden, aus Angst zu versagen. «Dazu bin ich nicht intelligent genug, dazu habe ich zu wenig Talent. Es lohnt sich nicht, dafür zu lernen.» Tauchen Schwierigkeiten auf, schwindet das Interesse am Thema schnell.

«Eine starre Denkweise verhindert Leistung, füllt unsere Köpfe mit störenden Gedanken und fördert schlechte Lernstrategien.»

(Carol Dweck)


Ein dynamisches Mindset führt zu einem wachstumsorientierten und lernfreundlichen Selbstbild

Ein wachstumsorientiertes Mindset geht von der Vorstellung aus, dass Können und Intelligenz durch Übung, eigene Anstrengung und kluges Lernen entwickelt werden können. Lernende mit einer wachstumsorientierten Denkweise scheuen keine Herausforderungen. Sie fühlen sich in Situationen intelligent, die nicht leicht zu bewältigen sind. Nach Niederlagen, Rückschlägen oder Fehlern arbeiten sie härter und entschlossener auf das Ziel hin. Rückschläge sind für sie Aufforderungen, die eigene Strategie zu überdenken, anzupassen oder zu ändern. Fehler sind Helfer!


«Leistung erfordert Konzentration, den Einsatz aller Kräfte und einen Koffer voller Strategien. Und Verbündete.»

(Carol Dweck)


Die Wirkung von Lob auf die Denkweisen von Lernenden

Carol Dweck zeigt in Experimenten, wie wichtig es ist, Anstrengung zu loben und nicht Klugheit oder Intelligenz, damit die Lernmotivation von Kindern nicht beeinträchtigt wird.



(3:27 Min.)
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Wie können wir jedem Kind helfen, sein Potential auszuschöpfen?

Carol Dweck argumentiert, dass für die Entwicklung eines Menschen nicht das Talent, sondern das eigene Selbstbild, das sogenannte «Mindset» entscheidend ist.



(7:29 Min.)
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Ein kleiner Unterschied mit großen Folgen: «NOCH»

«Geben Sie Kindern positive Rückmeldungen zum Prozess, in dem sie engagiert sind: zu ihrer Anstrengung, ihren Strategien, ihrem Fokus, ihrem Durchhaltevermögen, ihren Fortschritten. Dieses Prozess-Feedback unterstützt Kinder, widerstandsfähig und belastbar zu werden. Wenn du ein «Ungenügend» als Beurteilung erhältst, denkst du, ‹Ich bin nichts, ich bin nirgendwo›. Aber wenn du die Beurteilung «Das klappt noch nicht» bekommst, verstehst du, dass du auf einer Lernkurve bist. Diese zeigt dir einen Pfad in die Zukunft.» Carol Dweck



(0:54 Min.)
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Die Sprache des Lernerfolgs und des Versagens

«Jedes Wort und jede Handlung kann eine Botschaft senden. Diese sagt den Lernenden, wie sie über sich selbst denken können. Es kann eine starre Mindset-Botschaft sein im Sinne von: ‹Du hast nicht veränderbare Eigenschaften und ich beurteile diese.› Oder es kann eine wachstumsorientierte Botschaft sein, die mitteilt: ‹Du bist eine Person, die sich entwickelt und ich bin an deiner Entwicklung interessiert.› Es ist bemerkenswert, wie empfindlich Kinder für solche Botschaften sind.» Carol Dweck