Neubau Grundschule Welsberg:

Der Neubau war Anlass, sich intensiv mit dem pädagogischen Konzept der Schule auseinanderzusetzen und eine gemeinsame, orientierende Vision zu definieren, zum einen für die Weiterentwicklung der Schule, zum anderen für die Planung des neuen Gebäudes.

Der Raum als der «dritte Pädagoge»

Die klaren Vorstellungen vonseiten der Schule waren wichtig, um den Bauträger davon zu überzeugen, dass die Architektur der Schule dem pädagogischen Profil folgen und dieses stützen muss. Genauso wichtig waren sie für den Architekten, damit er sich in das schulische Geschehen hineindenken und auf die Herausforderungen reagieren konnte. Die pädagogische Vision und die Vorstellungen über das zukünftige schulische Geschehen wurden skizzenhaft festgehalten und dem Architekten übergeben. Parallel zu den Entwurfs- und Planungsarbeiten gab es einen guten Dialog zwischen der Schule und dem Architekten.

Der Dialog war wichtig, da vor allem in der gemeinsamen Auseinandersetzung Bilder entstanden, die dem Architekten Impulse lieferten. Genauso zwangen die Fragen des Architekten die Pädagogen ihre Vorstellungen noch einmal zu überdenken und klarer zu definieren. Der Dialog trug dazu bei, dass sich der Architekt und die Lehrpersonen immer besser verstanden.

Im Planungsprozess gab es zum Teil radikale Sprünge und schon fast fertige Pläne wurden verworfen, um noch einmal ganz neu anzusetzen.

Verspielte Holzpodeste und Grünflächen – damit empfängt die Grundschule die Besucher. Die Schule, in Form eines Kubus, sitzt dahinter. Die grossen Fenster ermöglichen schon von aussen Einblick in das Innenleben der Schule. Auch das Aussengelände wir als Lernraum genutzt.

Das neue Schulhaus: Führung durch das Gebäude

Aussenansicht

Wenn man sich in der Morgendämmerung der Schule nähert, dann spürt man bereits die Wärme der Innenräume.

Eingangsbereich

Der Zutritt erfolgt von der Südseite. Die Garderoben sind als Zentralgarderoben gleich rechts hinter dem Eingangsbereich eingerichtet – im Grunde genau so, wie in einer Wohnung. Die Kinder betreten die Garderobe vom Windfang aus und verlassen diese durch eine andere Türe. Diese Lösung hat die Funktion einer Schmutzschleuse.

Der multifunktionale Raum: Raum mit vielfältigen Möglichkeiten

Schreibstube

Der multifunktionale Raum wird hier genutzt als Schreibstube. Eine ganze Woche lang schreiben Kinder Texte zu Bildern, die von Künstlern zur Verfügung gestellt wurden.

Workshops

Der multifunktionale Raum wird für ganz unterschiedliche Tätigkeiten genutzt: als Raum für den Trommelworkshop, als Raum für Legearbeiten, als Musikraum, als Meditationsraum…

Fortbildungen

Der multifunktionale Raum dient aber genauso für Fortbildungsveranstaltungen, Sitzungen, Elterngespräche…

Lernwerkstätten: Verbindung zwischen den Lernebenen

Im Herzen des Kubus führen Treppen in die erste und zweite Lernebene. Diese Bereiche werden nur mit Hausschuhen betreten. Die Mittelpunkte dieser beiden Lernebenen sind zwei grosse, in sich gegliederte Lernwerkstätten, die im Sinne einer Wohnraumschule gestaltet sind – eine für die Basisstufe, eine für die weiterführende Stufe. Auf Gänge im traditionellen Sinne wird verzichtet. Sie werden als hochwertige Lernräume genutzt und sind Teil der Lernwerkstatt.

Die Lernwerkstätten sind die «Herzstücke» der Schule. Wer hier arbeitet, spricht leise.

Die Lernwerkstätten sind mit flexiblem Mobiliar ausgestattet und können jederzeit zu einer Aula bzw. zu einem Versammlungsraum umgebaut werden. Eine der Lernwerkstätten ist etwas grösser und kann die gesamte Schulgemeinschaft aufnehmen.

In die Lernwerkstätten sind die Klassen-/Lernräume sozusagen integriert. Sie sind jeweils in den Ecken des grossen Kubus positioniert. Klassen-/Lernräume und Lernwerkstatt kommunizieren miteinander durch Fenster in den Innenwänden und durch grosse Türöffnungen, in der Regel zwei pro Klasse. Bei Öffnung der beiden Türen der Lernräume entsteht eine grosse offene Lernebene.

Bibliothek ist überall: Gesamte Schule wird zum Leseort

Die Schule hat keine Bibliothek im traditionellen Sinne. Die Bücher befinden sich genauso wie die Lehrmittel in den Lernwerkstätten auf mobilen Regalen bzw. in Rollcontainern.

Mit den neuen Medien verhält es sich ähnlich. Die Computer sind auf mobilen Wagen verfügbar und können dorthin gebracht werden, wo sie gebraucht werden. Überall entlang der Wände befinden sich Steckdosen und Internetanschlüsse.

In der Werkstatt «Märchen und Fabeln» wurder über mehrere Tage altersgemischt an diesem Thema gearbeitet.

Lehrerzimmer: mit Sichtverbindung in die Lernwerkstatt

Eine Ecke der ersten Lernebene besetzt das Lehrerzimmer. Auch von hier gibt es eine Sichtverbindung zur Lernwerkstatt. Die Alltagspraxis zeigt, dass die Lehrer/innen zunehmend ihre Arbeit in den Lernwerkstätten erledigen. Kinder und Lehrpersonen arbeiten dann nebeneinander.

Die hohe Aufenthaltsqualität und das flexible Mobiliar fördern das schulische Arbeiten

Die im Innenausbau verwendeten Materialien, die dezent eingesetzten Farbtupfer, das angenehme Licht, die gute Akustik und die kontrollierte Raumbelüftung schaffen ein Ambiente, in dem sich jeder sofort wohlfühlt. In den Lernwerkstätten sind die Wände und Decken mit hellem Fichtenholz verkleidet, die Böden sind aus einheimischem Lärchenholz, leicht gebürstet und mit natürlichen Ölen eingelassen.

Die grossen Fenster mit ihren breiten Rahmen, die den Raum nach allen Himmelsrichtungen öffnen, ziehen die Schüler/innen regelrecht an. Wer hier sitzt, hat einen Logenplatz mit Blick nach aussen in die faszinierende Landschaft und den Schulhof, aber genauso nach innen in die Lernwerkstatt.

eine Schülerin lernt auf der Fensterbank
Lageplan / Grundrisse GS Welsberg
Der Lageplan und die Grundrisse des Neubaus der Grundschule Welsberg sind hier festgehalten.
Autor/Autorin: Grundschule Welsberg
Fächer: alle
Stufen: Andere

Eckdaten zum Neubau

Bauherr: Gemeinde Welsberg
Architektur: Arch. Klaus Hellweger; Mitarbeit: Arch. Imke Ball, Arch. Hartmann Tasser
Lichtplanung: Conceptlicht, Mils (A)
Akustik: Eurokustik, Mals
Bauzeit: 17 Monate (März 2008 – Juli 2009)
Nutzfläche: 1150 m²
Bauvolumen: 4420m³
Baukosten: 2,1 Mio € (inklusive Planungskosten und Steuern)
Klimahaus A-Zertifizierung