Konzepte und Merkmale:

Der Integrierte Musikunterricht an der Volksschule Hergiswil unterscheidet sich durch verschiedene Eigenschaften und Merkmale vom bisherigen Musikunterricht.

1. Teamteaching

Eine Musik- und eine Volksschullehrperson unterrichten das Fach «Musik» in einer Mischklasse im Teamteaching. Der Transfer zwischen Musik-Know-how und pädagogisch-didaktischem Wissen steht im Zentrum der Zusammenarbeit. Durch das Teamteaching von Volks- und Musikschullehrpersonen entsteht ein fruchtbarer Transfer, von dem alle Anspruchsgruppen profitieren: die Schülerinnen und Schüler, die beteiligten Lehrpersonen, die Eltern und auch die politischen Behörden.

2. Kooperatives und altersdurchmischtes Lernen

Kooperatives und altersdurchmischtes Lernen spielen eine zentrale Rolle. Die Lehrpersonen sind in erster Linie Coaches, Beratende und Organisierende. Aktives Musizieren eignet sich hervorragend, um diese pädagogischen Konzepte wirkungsvoll anzuwenden und umzusetzen. Der Musikunterricht wird dadurch lebendig und praktisch: Es wird geforscht, ausprobiert, verworfen, kritisch beurteilt, eingeübt, verbessert und präsentiert.

3. Präsentation des Gelernten

Die Präsentation des Gelernten ist fester Bestandteil des IM, sei es in einem grossen öffentlichen Rahmen einer Projektwoche oder spontan im kleinen intimen Kreis einer Lerngruppe am Elternabend. Es sind vielfältige musikalische Tätigkeiten möglich, da – egal ob Musikschülerin oder Musikmuffel – die individuellen Ressourcen jedes/r Einzelnen in die Klasse integriert werden können. Die Beteiligten haben ein konkretes Ziel vor Augen, das motiviert und anspornt.

4. Feedback-Kultur

Der Integrierte Musikunterricht fördert eine wirkungsvolle Feedbackkultur. Da jedes Kind seine besondere Rolle beim gemeinsamen Musizieren findet und einnimmt, entwickelt es sich auch zur Expertin, zum Experten. So entsteht ein «Expertenpublikum». Durch die Aufführung des Gelernten im Team, in der Band oder in Lerngruppen werden die Kinder unmittelbar durch dieses «Expertenpublikum» beurteilt, bzw. erhalten Rückmeldungen auf «Augenhöhe».

5. Jedes Kind musiziert

Jede Schülerin und jeder Schüler lernt auf jeder Stufe mindestens ein Musikinstrument kennen und auf diesem zu spielen. Grundsätzlich stehen folgende Instrumente zur Verfügung: Melodica, Triola, Clarina, Mundharmonika, diverse Schlaginstrumente, Keyboard, diverse Saiteninstrumente, Nasenpfeife, Kazoo und die eigene Stimme.

Alle Kinder, die an der Musikschule den Instrumental- oder Gesangsunterricht besuchen, können ihre dort erworbenen Kompetenzen im IM einbringen und auch ihre Instrumente einsetzen.

6. Kompetenzorientierter Unterricht

Der Integrierte Musikunterricht ist kompetenzorientiert. Er geht von einem ganzheitlichen Leistungsbegriff aus und fördert bedeutsame Kompetenzen in allen Bereichen:
  • Der Integrierte Musikunterricht hat das Ziel, die individuellen musikalischen Ressourcen aller Schülerinnen und Schüler einer Klasse zu erfassen, zu erkennen und diese in vielfältigen musikalischen Aktivitäten im Klassenverband einzusetzen.
  • Die sozialen und persönlichen Kompetenzen des Einzelnen und der Lerngruppe werden bewusst trainiert, gefördert und auch von den Lernenden eingefordert.
  • Die Kinder suchen und finden in einem ersten Schritt die ihren Fähigkeiten und Ressourcen entsprechende Rolle im aktiven Musizieren.
  • In einem zweiten Schritt lernen sie diese durch den Erwerb von musikalischen Kompetenzen weiter zu entwickeln, zu verändern oder anzupassen.
  • Fachkompetenzen wie «Notenlesen», «Instrumentenkunde», «rhythmische Notation» usw. erarbeiten die Kinder «on the job» im «learning by doing».
  • Der Integrierte Musikunterricht fördert bei Kindern und Jugendlichen Ideenreichtum und Selbstwertgefühl, er begünstigt das Lernklima und befördert bessere Lernergebnisse.

7. Kompetenzkompass

Der Integrierte Musikunterricht arbeitet mit einem Kompetenzkompass, der zurzeit in der Grundstufe (Kindergarten 1 und 2, 1. Primarklasse) und der Mittelstufe 1 (2.-4. Primarklasse) eingeführt ist. Die Kinder beurteilen darin ihre erworbenen Kompetenzen im Verlauf des Schuljahres. Der Kompetenzkompass orientiert sich an vier Kompetenzen: Fach-, Lern-, Sozial-, Selbstkompetenz.

Kompetenzkompass Musikschule Hergiswil
Der Kompetenzpass wurde von Daniel Würsch und Remo Genzoli erarbeitet. Musizieren ist ein sehr soziales Geschehen. Simultanes Interagieren, aufeinander angewiesen sein, Gleichzeitigkeit, das Streben nach gemeinsamen Zielen und individuelle Verantwortlichkeit sind dabei grundlegende Kompetenzen, die es gilt, aufzubauen.
Autor/Autorin: Daniel Würsch, Remo Genzoli
Umfang/Länge: 12
Fächer: Musik
Stufen: 1. Klasse, 2. Klasse, 3. Klasse, 4. Klasse, 5. Klasse, 6. Klasse, Kindergarten

8. Kompetenzentwicklung als gemeinsamer Lernprozess

Der Integrierte Musikunterricht fördert und verlangt die Entwicklung von Kompetenzen auf Seiten der Lehrpersonen, die im Unterrichtstandem zusammenarbeiten, wie auf Seiten der Schülerinnen und Schüler, die in Lerngruppen ihr musikalisches Können erweitern.

Differenzierte Angebote ermöglichen unterschiedliche Lernzugänge:

Lehrerzentrierte Kurse und Inputs: Die Kurse werden je nach Lernstand der Kinder und Jugendlichen in Kleingruppen oder mit der ganzen Klasse durchgeführt. Sie sollen die Schüler/innen befähigen, musikalische Basics zu erlernen,also z.B.: «Wie spiele ich eine Nasenpfeife oder ein Kazoo?» Oder «Wie spiele ich technisch richtig auf der Triola?»

Von Schüler/innen durchgeführte Kurse und Instruktionen: Einzelne Lernende mit höheren Kompetenzen unterrichten andere Schüler/innen. Das Lernen wird so zu einem dialogischen Prozess.

Wahlangebote: Innerhalb des IM gibt es auch Lernangebote, aus denen die Schüler/innen auswählen können. Oft haben die Kinder bereits Ideen für ihr Lernvorhaben.

Formen des selbstgesteuerten und kooperativen Lernens bieten den notwendigen Raum, damit die Schüler/innen an ihr Vorwissen und Vorkönnen anknüpfen, neues Wissen konstruieren und handlungsorientiert zeigen können. Die Lernangebote sind im Integrierten Musikunterricht möglichst phantasievoll, kreativ und anregend gestaltet. Sie sollen ein gemeinsames, kooperatives Lernen begünstigen, in dem alle Schüler/innen mitkommen, mit Freude in der Lerngruppe lernen und miteinander an ihren Kompetenzen wachsen.

9. Musizieren als Teil des schulischen Alltags

Der Integrierte Musikunterricht ist in den schulischen Alltag eingebunden. Neben dem Üben in der Schule kann die musikalische Aktivität z.B. mit Elementen der szenischen Darstellung sowie Inhalten und Themen anderer Unterrichtsfächer der Volksschule kombiniert und ergänzt werden.

So entstehen Gedichtvertonungen, Musiktheater, Theatermusik, Lesungen mit musikalischer Begleitung, Choreographien für Raps, musikalische Bewegungsspiele, Klassenorchester, Lerngruppenbands, Jodelchöre, Improvisationsduos, Cajon-Gruppen, Solovorstellungen usw.

10. Konsequente Nutzung vorhandener Ressourcen

Der Integrierte Musikunterricht ist kein teures Zusatzangebot an der Volksschule Hergiswil. Er richtet sich grundsätzlich an den vorgegebenen Rahmen der Wochenstundentafel und an den Lehrplan für das Fach «Musik» an der Volksschule des Kantons Nidwalden. Er ist also kein zusätzliches Fach. «Musik» ist in der Wochenstundentafel der Volksschule wie folgt verankert:

Wochenstundentafel Volksschule Hergiswil
Grundstufe: 1 Lektion/Woche
Mitelstufe I: 2 Lektionen/Woche
Mitelstufe II: 1 Lektion/Woche
ORS1: 1 Lektion/Woche
ORS2: 2 Lektionen/Woche, Wahlpflichtfach
ORS3: 1 Lektion/Woche, Wahlfach

Der Integrierte Musikunterricht ist in der Grundstufe, Mittelstufe I & II und der ORS 1 eingeführt. Das Fach «Musik» ist an der ORS2 und 3 nicht in das IM-Konzept integriert. Hier steht die Idee zur Diskussion, mittelfristig den Instrumentalunterricht der Musikschule als Wahlfachangebot in die Wochenstundentafel zu integrieren.

IM kostenneutral integriert Der IM fügt sich nahtlos in das vorhandene und praktizierte Mischklassenkonzept der Volksschule Hergiswil ein, d.h. zwei Volksschullehrpersonen im Teamteaching unterrichten eine Mischklasse mit einem Pensum von ca. 150 %. Im Integrierten Musikunterricht arbeiten eine Musik- und eine Volksschullehrperson im Unterrichts-Tandem; die Musikschullehrperson ersetzt also während des Musikunterrichts die zweite Volksschullehrperson. Der Integrierte Musikunterricht ist so grundsätzlich kostenneutral.
Ressourcen optimal genutzt An der Musikschule Hergiswil sind im Moment vier Instrumentallehrpersonen in Unterrichts-Tandem engagiert und teilen sich etwa in ein 100%-Pensum. Die Ressourcen beider «Schultypen» werden optimal genutzt und integriert: Der Transfer zwischen Musik- und Methodik-Know-how steht im Zentrum der Zusammenarbeit. Es entsteht eine klassische Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Der Auftrag des Schulrates Hergiswil vom Mai 2007 an die Volks- und Musikschulleitung, das Kooperations- und Integrationspotential zwischen Volks- und Musikschule zu untersuchen und daraus mittel- und langfristige, gemeinsame Entwicklungsschwerpunkte zu definieren, ist erfüllt.

Impressionen: Aufnahmen aus dem Musikunterricht

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