KI-Didaktik: Eine Planungsvorlage zur Aufgabenkultur:

Joscha Falck und Manuel Flick stellen in diesem Beitrag eine neue Planungsvorlage zur Aufgabenkultur im KI-Zeitalter vor. Sie ist aus der Weiterentwicklung der fünf Dimensionen „Lernen und KI“ entstanden – und reagiert auf eine Leerstelle, die den Autoren in Unterricht, Fortbildungen und Schulentwicklung immer wieder begegnet: Es fehlt ein didaktischer Rahmen, der Nutzung, Reflexion und Begrenzung von KI zusammen denkt.

von

Joscha Falck

Joscha Falck ist Mittelschullehrer an der Mittelschule Rednitzhembach und Schulentwicklungsmoderator in einem Innovationsteam für digitale Bildung in Mittelfranken, Bayern. Neben seiner Unterrichtstätigkeit (Deutsch, Geschichte, Politik, Informatik) hält er Fortbildungen und berät Schulen und Steuergruppen bei Schulentwicklungsprozessen. Darüber hinaus ist er als Referent, Blogger und Autor tätig. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind: Digitale Medien, Schul- und Unterrichtsentwicklung, Didaktik des digital gestützten Unterrichtens, digitale Transformation an Schulen, Künstliche Intelligenz in Schule und Unterricht. Er unterstützt die Arbeit von IQES online durch redaktionelle Tätigkeiten und inhaltliche Beiträge. Darüber hinaus bietet er zusammen mit Hauke Pölert IQES-Webinare zum Thema »KI in Schule und Unterricht« an. Web: www.IQESonline.net | www.IQES-schulentwicklung.de  | www.joschafalck.de

und

Manuel Flick

Manuel Flick, Lehrkraft im berufsbildenden Bereich, widmet sich schwerpunktmäßig der Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) im Schul- und Unterrichtskontext. Als Fortbildner, Referent und Blogger zeigt er, wie KI im Schulalltag entlasten und didaktisch sinnvoll im Unterricht eingesetzt werden kann. Weitere Themen seiner Arbeit sind digitale Medien sowie Organisation und Zeitmanagement im Lehrberuf. Internet: manuelflick.de

Fünf Dimensionen für den Unterricht

Die 5 Dimensionen „Lernen und KI von Joscha Falck (2023) haben sich im bildungsbezogenen KI-Diskurs als zentrale Orientierungshilfe etabliert. Das Modell unterscheidet Lernen über, mit, durch, trotz und ohne KI und bietet damit einen klaren Rahmen, um den Einsatz von KI im Unterricht systematisch zu reflektieren und den sich verändernden Bildungsauftrag zu umreißen.

 

Diese Dimensionen waren jedoch ursprünglich nicht als didaktische Schablone gedacht, um Unterricht und Aufgaben im KI-Zeitalter systematisch zu planen. Dennoch zeigte sich schnell, dass sie auch in diesem Sinne genutzt wurden. Mit einer konkreten Unterrichtseinheit vor Augen ließ sich strukturieren, was ohne KI erlernt werden soll, wo KI sinnvoll eingesetzt werden kann und welche Aspekte der Technologie selbst thematisiert werden müssen. Dankenswerterweise hat Hauke Pölert die ursprüngliche Grafik später zu einer Postervorlage erweitert, die für analoges Arbeiten in Fachschaften und Unterrichtsteams eingesetzt werden kann.

Vom Orientierungsmodell zur Planungsvorlage

Bei der konkreten Unterrichtsplanung und bei der Überführung von Lernen und KI in konkrete Aufgabenformate zeigte sich jedoch, dass die einzelnen Bereiche nicht immer trennscharf voneinander abgegrenzt werden konnten. In der Folge gestalteten sich didaktische Entscheidungen sowie die differenzierte Aufgabenplanung mitunter anspruchsvoll. Die Unterteilung bot hierfür eine hilfreiche Orientierung, erwies sich aber nicht in allen Fällen als ausreichend tiefgehend.

Um dieses Problem zu lösen, haben Joscha Falck und Manuel Flick erneut angesetzt und eine erweiterte Planungsvorlage zur Aufgabenkultur im KI-Zeitalter entwickelt. Ziel war es, die ursprünglichen Dimensionen weiterzudenken und stärker auf die konkrete Gestaltung von Aufgaben zu beziehen.

Zwei zentrale Weiterentwicklungen

Besonders hervorzuheben sind zwei Weiterentwicklungen. Zum einen haben wir die Dimensionen „Lernen durch KI“ und „Lernen mit KI“ zu einem gemeinsamen Planungsbereich zusammengeführt. Die Unterscheidung ist im Unterrichtsalltag oft schwer zu treffen und für die Vorbereitung einer Unterrichtseinheit nicht immer relevant.

Zum anderen haben wir den Planungsdimensionen vier konkrete Aufgabenkategorien zugeordnet. Damit rückt nicht mehr primär die Technologie, sondern die Aufgabe in Abhängigkeit zu den Zielen in den Mittelpunkt der didaktischen Überlegungen. Die Kategorien leiten sich dabei direkt aus den fünf Dimensionen ab und werden in Übereinstimmung mit den zu fördernden fachlichen, überfachlichen und KI-Kompetenzen geplant.

Vier Aufgabenkategorien im Überblick

KI-thematisierende Aufgaben: KI ist hier Gegenstand des Lernens, nicht Werkzeug des Lösens. Die Lernenden setzen sich mit Funktionsweisen, Begriffen, Chancen und Risiken von KI auseinander und ordnen diese in fachliche, gesellschaftliche oder ethische Kontexte ein. Fokus: Verstehen und Einordnen von KI.

KI-integrierende Aufgaben: KI wird gezielt als Lernressource eingesetzt, um fachliche Aufgaben zu bearbeiten oder Lernprozesse zu unterstützen. Der KI-Einsatz ist didaktisch begründet, geregelt und an Lernziele gebunden. Fokus: Nutzung von KI für das eigene Lernen.

KI-reflektierende Aufgaben: Der Einsatz von KI selbst wird zum Gegenstand der Reflexion. KI-Ergebnisse werden geprüft, verglichen und hinterfragt, etwa im Hinblick auf Qualität, Fehler, Verzerrungen (Bias) oder Auswirkungen auf den eigenen Lernprozess. Darüber hinaus reflektieren Lernende ihre Lernstrategien und Nutzungsmotive (z. B. Anstrengungsreduktion vs. Erweiterung von Möglichkeiten) und setzen sich kritisch mit den Folgen von KI auseinander, etwa auf Bildung, Gesellschaft und Arbeitswelt. Fokus: Nachdenken über die KI-Nutzung.

KI-limitierende Aufgaben: Der Einsatz von KI wird bewusst eingeschränkt, didaktisch erschwert oder ausgeschlossen, um bestimmte Kompetenzen sichtbar, vergleichbar oder die Bearbeitung von Aufgaben KI-resilienter zu machen. Begrenzung dient hier nicht der Verweigerung. Sie soll möglichst transparent dem Erreichen des Lernziels dienen. Fokus: Kompetenzaufbau und -sicherung ohne KI.

Kein Stufenmodell, sondern ein Entscheidungsraum

Die vier Aufgabenkategorien eröffnen einen didaktischen Denk- und Entscheidungsraum, der es erlaubt, KI-Einsatz im Unterricht bewusst zu planen und zu begründen. Es geht dabei aber weder um eine feste Abfolge noch um eine didaktische Progression, die zwingend durchlaufen werden müsste. Vielmehr beschreiben die Kategorien unterschiedliche didaktische Bereiche, die sich je nach Lernziel, Fach, Lerngruppe und Kontext gezielt kombinieren lassen.

Damit verschiebt sich der Blick weg von der Frage „Dürfen meine Schüler:innen KI nutzen?“ hin zur zentralen didaktischen Frage: Welche Art von Aufgabe/KI-Einsatz setze ich – in Bezug auf welche Ziele – ein?

Die richtigen Planungsfragen

Die Planungsvorlage unterstützt diese Perspektivverschiebung, indem es hilft, die richtigen Fragen zu stellen: Welche fachlichen und überfachlichen Ziele verfolge ich in dieser Einheit? Wo thematisiere ich KI explizit? Wo integriere ich sie bewusst? Wo reflektiere ich ihren Einsatz? Und wo begrenze ich KI aus didaktischen Gründen?

Diese Fragen lassen sich auf einzelne Unterrichtsthemen, auf ganze Lerneinheiten oder auch auf größere curriculare Zusammenhänge beziehen.

Übrigens: Wenn hier von KI-Didaktik die Rede ist, geht es nicht um eine neue Technikdidaktik, sondern um die Frage, wie sich Aufgaben, Lernprozesse und Leistungszuschreibungen unter Bedingungen generativer KI verändern.

Einladung zur Auseinandersetzung

Unsere neue Vorlage versteht sich bewusst als Orientierungs- und Planungsrahmen. Sie ist dafür gedacht, Unterricht vorzubereiten, Aufgaben zu reflektieren und gemeinsame Verständigung zu ermöglichen – im eigenen Unterricht ebenso wie in Fachschaften, Fortbildungen oder Schul­ent­wicklungs­pro­zessen. Gerade dort, wo unterschiedliche Haltungen, Erfahrungen und Unsicherheiten im Umgang mit KI aufeinandertreffen, kann das weiterentwickelte Poster helfen, Gespräche zu strukturieren und Entscheidungen nachvollziehbar zu machen.

Zugleich ist unsere Vorlage ausdrücklich nicht als Checkliste, Rezept oder Bewertungsraster für „guten KI-Unterricht“ gedacht. Sie liefert keine fertigen Lösungen, setzt keine normativen Maßstäbe und ersetzt nicht den Blick auf die Tiefenstrukturen des Unterrichts, die entscheidend dafür sind, ob Lehr-/Lern-Settings tatsächlich lernwirksam sind. Stattdessen versteht sich dieser Orientierungsrahmen als Einladung zur Auseinandersetzung mit einer Aufgabenkultur im KI-Zeitalter – in dem Bewusstsein, dass sich dieses didaktische Feld noch in der Entwicklung befindet und aufgrund der hohen Innovationsdynamik kontinuierlich im Fluss ist und sein wird.

Planungsvorlage KI-Aufgabenkultur als PDF

Autor/Autorin: Joscha Falck, Manuel Flick

Umfang/Länge: 1 Seite

Planungsvorlage KI-Aufgabenkultur als PNG

Autor/Autorin: Joscha Falck, Manuel Flick

Umfang/Länge: 1 Seite

Veröffentlichungshinweise

Wie auch bei unseren KI-Leitfäden ist die Planungsvorlage mit einer CC-Lizenz versehen, darf also verwendet, bearbeitet und weitergegeben werden. Wir bitten jedoch um Nennung von IQES und den Autoren und dass im Falle einer Veröffentlichung einer angepassten Version diese unter gleichen CC-Bedingungen weitergegeben wird.