Vorurteile, Stereotype & Bias von KI aufdecken:

Wenn eine KI nach einem Arzt oder einer Ärztin gefragt wird, zeigt sie fast immer einen Mann. Wenn ein Bildgenerator eine Führungskraft darstellen soll, erscheint in bis zu 97 Prozent der Fälle ein weißer Mann. Das ist kein Zufall – und kein Fehler. Es ist Bias. Vorurteile, Stereotype und Diskriminierungsmuster, die in Daten stecken, mit denen KI-Systeme trainiert werden.

von

Joscha Falck

Joscha Falck ist Mittelschullehrer an der Mittelschule Rednitzhembach und Schulentwicklungsmoderator in einem Innovationsteam für digitale Bildung in Mittelfranken, Bayern. Neben seiner Unterrichtstätigkeit (Deutsch, Geschichte, Politik, Informatik) hält er Fortbildungen und berät Schulen und Steuergruppen bei Schulentwicklungsprozessen. Darüber hinaus ist er als Referent, Blogger und Autor tätig. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind: Digitale Medien, Schul- und Unterrichtsentwicklung, Didaktik des digital gestützten Unterrichtens, digitale Transformation an Schulen, Künstliche Intelligenz in Schule und Unterricht. Er unterstützt die Arbeit von IQES online durch redaktionelle Tätigkeiten und inhaltliche Beiträge. Darüber hinaus bietet er zusammen mit Hauke Pölert IQES-Webinare zum Thema »KI in Schule und Unterricht« an. Web: www.IQESonline.net | www.IQES-schulentwicklung.de  | www.joschafalck.de

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Markus Haider

Markus Haider ist Schulentwickler, systemischer Coach und Musiker. Er war 14 Jahre als Lehrer in der Sekundarstufe 1 und 2 tätig, 5 Jahre als SQA-Koordinator für das Qualitätsmanagement an einem Gymnasium. Er ist Lehrbeauftragter an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Nach seiner Ausbildung zum Schulentwicklungsberater gründete er 2018 die openschool (www.openschool.world). Er ist seither als Berater und Bildungsinnovator in Österreich und international tätig (www.spurwechsel.at). Sein Schwerpunkt liegt auf der Begleitung von innovatione Veränderungsprozessen. Dabei arbeitet er mit den pädagogischen Hochschulen und Bildungsdirektionen Österreichs und auch dem Bundesministerium für Bildung sowie dem Wiener Bildungsversprechen zusammen. Er veröffentlicht als Autor Fachartikel, Webinare und Arbeitsmaterialien zum Thema Schulinnovation und Lernkonzepte (Beltz, Lugert, Lörn). Motto: »Sei du selbst die Veränderung, die du dir für die Welt wünscht.« (M. Gandhi)

und

Gerold Brägger

Gerold Brägger, M.A., ist Leiter und Gründer der IQES-Plattform und der Beratungs- und Weiterbildungsinstitute schulentwicklung.ch und IQES-schulentwicklund.de. Er ist Erziehungswissenschaftler, Schulberater, Lehrerbildner, Autor von pädagogischen Fachbüchern und Lernmitteln sowie Redaktionsmitglied der Fachzeitschrift PÄDAGOGIK. Arbeitsschwerpunkte: Sprach- und Leseförderung, Künstliche Intelligenz, Lerncoaching, Schul- und Unterrichtsentwicklung, Evaluation, Digitale Medien in Schule und Unterricht, kompetenzorientierter Unterricht und selbstkompetentes Lernen, Schulleitung, Gute gesunde Schulen, Schulentwicklung in Netzwerken und Bildungsregionen. Publikationsliste herunterladen Web: www.IQESonline.net | www.schulentwicklung.ch | www.IQES-schulentwicklung.de Publikationen von Gerold Brägger im Beltz Verlag

Worum geht es?

Künstliche Intelligenz wirkt oft neutral, ist es aber nicht. Denn KI-Modelle übernehmen Vorurteile aus den Daten, mit denen sie trainiert werden. So entstehen KI-Texte und -bilder, die unfair oder diskriminierend sein können. In dieser Lernumgebung erfährst du, was „Bias“ bedeutet, wie Vorurteile in KI-Systeme gelangen und warum das ein echtes Problem ist. Du lernst, solche Verzerrungen zu erkennen und kritisch mit KI umzugehen.

„Bias“ bedeutet im Deutschen „Verzerrung“ oder „Voreingenommenheit“. Der Begriff beschreibt, wenn man sich nicht an die Realität hält. Das kann durch unbewusste Denkmuster, Vorurteile oder eine einseitige Datenverarbeitung durch Algorithmen passieren.

Bias in KI betrifft nicht nur Bilder, sondern beeinflusst auch unsere Wahrnehmung der Welt.

Er entscheidet mit, wer zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird, wessen Kredit genehmigt wird und wer als Verdächtiger gilt. Diese Lernumgebung zeigt, wie Bias entsteht, wo er wirkt und was wir dagegen tun können.

„Wenn KI Fehler macht“

Wenn eine KI aus Daten der Vergangenheit lernt, lernt sie auch die Ungerechtigkeiten der Vergangenheit.
Timnit Gebru, KI-Forscherin

Kurzfilm, der anhand konkreter Alltagsbeispiele zeigt, wie algorithmische Diskriminierung entsteht und wen sie trifft. Gut als Einstieg oder Ergänzung zum Selbstexperiment.
Video, ca. 5 Min., Deutsch

Wie entstehen Vorurteile und Stereotype in KI?

KI lernt aus Daten – aus Millionen von Texten, Bildern und Entscheidungen, die aus der realen Welt stammen. Das Problem: Die reale Welt ist nicht fair. Sie steckt voller Ungleichheiten, die über Jahrzehnte und Jahrhunderte gewachsen sind. Wenn eine KI aus diesen Daten lernt, lernt sie auch deren Verzerrungen – und reproduziert sie. Oft sogar verstärkt. Das Erstaunliche: Wenn 60% der Bilder zu „CEO“ Männer zeigen, generiert ein KI-Bild generator in über 90% der Fälle Männer. Bias wird nicht nur reproduziert – er wird verstärkt.

Bias in KI entsteht auf verschiedenen Ebenen:

  • Datenbias: Bestimmte Gruppen fehlen in den Trainingsdaten oder sind überrepräsentiert.
  • Labeling-Bias: Menschen beschriften Daten und bringen dabei unbewusst Vorurteile ein.
  • Algorithmischer Bias: Falsch gewählte Messgrößen führen zu verzerrten Ergebnissen.
  • Feedback-Loop-Bias: Die KI trainiert auf Basis eigener verzerrter Ausgaben weiter – und verstärkt sich selbst.



Luccioni, A. S., Akiki, C., Mitchell, M. & Jernite, Y. (2023): Stable Bias: Analyzing Societal Representations in Diffusion Models. arXiv:2303.11408. https://arxiv.org/abs/2303.11408

Quelle

Wie gut kennst du KI-Bias?

Künstliche Intelligenz kann Vorurteile haben – und das ist kein Zufall. In diesem Quiz testest du, wie gut du verstehst, wie Bias in KI-Systemen entsteht, wo er Konsequenzen hat und was dagegen getan werden kann.

1 / 10

Was versteht man unter "Bias" in einem KI-System?

2 / 10

Woher stammt Bias in KI-Systemen hauptsächlich?

3 / 10

Ein KI-Bildgenerator zeigt bei der Suche nach „Führungskraft" in bis zu 97 % der Fälle weiße Männer. Was ist der Hauptgrund dafür?

4 / 10

Was versteht man unter einem „Feedback-Loop" bei KI-Bias?

5 / 10

Richtig oder falsch?
„Wenn man eine KI mit mehr Daten trainiert, verschwindet Bias automatisch."

6 / 10

Was stellte eine UNESCO-Studie (2024) zu KI-Sprachmodellen und Geschlecht fest?

7 / 10

Welche Merkmale nutzte der Algorithmus in der niederländischen Kindergeldaffäre fälschlicherweise als Betrugshinweise? (Mehrere Antworten möglich)

8 / 10

Welche KI-Anwendungen gelten laut EU AI Act als „Hochrisiko" und unterliegen besonderen Fairness-Anforderungen? (Mehrere Antworten möglich)

9 / 10

Richtig oder falsch?
„KI-Bias ist ein rein technisches Problem, das Programmierer:innen allein lösen können."

10 / 10

Was kann jede:r Einzelne tun, um kritischer mit KI umzugehen? (Mehrere richtige Antworten möglich)

Einzelarbeit

Öffne einen KI-Chatbot (z. B. ChatGPT oder Bing Chat) und gib folgende Anfragen ein. Notiere dir jeweils, was die KI antwortet:

    1. „Beschreibe eine Person, die in der Chirurgie arbeitet.“
    2. „Beschreibe eine Person, die den ganzen Tag im Friseursalon Haare schneidet.“
    3. „Nenne mir typische Eigenschaften einer guten Führungskraft.“
    4. „Welche Hobbys haben Mädchen?“

Halte deine Beobachtungen schriftlich fest: Welches Geschlecht, welche Hautfarbe und welches Alter werden in den Antworten impliziert oder direkt genannt? Welche Muster erkennst du?

Arbeitsblatt: Bias - Detektiv:in - Teste es selbst

Einzelarbeit | Wie kommt Bias in die KI?

Umfang/Länge: 1 Seite

Fächer: alle Fächer

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Titel
Hintergründe
Schwierigkeit
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Partnerarbeit

Wählt gemeinsam einen Beitrag aus der Medientabelle oben aus – zum Beispiel das ZDF-funk-Video „Wenn KI Fehler macht“, den FM4-Beitrag zur algorithmischen Diskriminierung oder einen anderen Beitrag eurer Wahl.

    1. Schaut das Video oder lest den Artikel gemeinsam (ca. 10 Minuten). Notiert währenddessen: Was war die wichtigste Aussage für euch?
    2. Vergleicht eure Erklärungen mit dem, was ihr im Bias-Detektiv:in-Test beobachtet habt: Passt es zusammen – oder gibt es Widersprüche?
    3. Schreibt gemeinsam eine kurze Erklärung (3–5 Sätze): „Bias in KI entsteht, weil …“

Stellt eure Erklärung der Klasse vor. Vergleicht, ob verschiedene Gruppen unterschiedliche Beiträge gewählt haben – und ob sich die Erklärungen unterscheiden.

Klassendiskussion

Diskutiert in der Klasse folgende Behauptung – und bezieht dabei konkrete Beispiele ein, die ihr in den Beiträgen gelesen oder gesehen habt:

„KI reproduziert Vorurteile nicht nur – sie verstärkt sie.“

Leitfragen für die Diskussion:

  • Wenn 60 % der Bilder zu „CEO“ Männer zeigen und die KI daraufhin in 97 % der Fälle Männer generiert – was bedeutet das für das Bild, das wir uns von Führungskräften machen?
  • Was passiert, wenn Menschen KI-generierte Inhalte konsumieren und ihre Vorstellungen davon beeinflussen lassen?
  • Wer trägt die Verantwortung dafür, dass KI-Systeme solche Muster reproduzieren?

Haben Sie als Lehrer/in oder als Schüler/in Rückmeldungen, die uns helfen, die Lernumgebungen zu verbessern? Kritik, Lob und Ideen sind sehr willkommen.

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