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Lernrelevanter Faktor 4: Evaluation: Formative Bewertung und selbstreflexives Lernen

Kompetenzorientiertes Lernen verlangt nach entsprechendem Umgang mit Lernleistungen: referenzieren, präsentieren, reflektieren, dokumentieren. Es geht darum, eine Kultur der formativen Bewertung und des selbstreflexiven Lernens aufzubauen.

Referenzieren

Grundsätzlich geht es darum, Leistungen und Lernnachweise mit Referenzwerten in Beziehung zu bringen. (Müller 2002)

Das heisst: Es geht um einen Vergleich zwischen einer definierten Kompetenz und einer erbrachten Leistung. Solche Referenzwerte können sein: Kompetenzraster, Checklisten, Indikatorenlisten. Aber natürlich können – beziehungsweise müssen – auch individuelle Zielformulierungen die Vergleichsbasis bilden. Aus dem Vergleich und der allfälligen Differenz zwischen IST und SOLL ergibt sich neuer Lernbedarf: Hier bin ich, da sollte oder wollte ich sein. Die sich aus diesem Vergleich ergebenden Differenzen werfen Fragen auf und weisen auf Handlungsbedarf hin. Entsprechend lassen sich Akzente setzen und Programme gestalten, die Lernen zu einer wirklich persönlichen Angelegenheit machen.
 


Dokumentieren

Lernergebnisse dokumentieren, das ist eines der Ziele der Arbeit mit Portfolios. Aber nicht nur Resultate sind relevant. Mindestens so wichtig: Die Prozesse hinter den Ergebnissen sichtbar machen. Darstellen und sich bewusst machen, wie bestimmte Ergebnisse zustande gekommen sind. Das heisst: Die Arbeit mit Portfolios ist ein dynamischer kommunikativer Prozess. Die Lernenden sollen die Ergebnisse als Ausgangs- und Knotenpunkte für weitere Lernaktivitäten betrachten.

Die einzelnen Belege dienen dazu, über das effektive Dokument hinaus Erkenntnisse zu generieren. Zusammenhänge und Unterschiede lassen sich herausfinden und in ein Netzwerk einbauen. Die eigenen Arbeiten werden zum Gegenstand forschender Neugier. Das ist eine wirkungsvolle Form von Wertschätzung: Portfolios bergen ein erhebliches Potenzial an emotionaler Energie. Denn: Jedes Dokument erzählt im Prinzip eine kleine Erfolgsgeschichte. Damit verbinden sich Erlebnisse und Könnenserfahrungen. Das Portfolio erhält damit gleichsam die Funktion einer Art Tagebuch des pfleglichen Umgangs mit sich selbst. Das bewusste Nachdenken über das, was gelungen ist, stärkt den Glauben an die eigenen Fähigkeiten. Das Portfolio kann damit einen Beitrag dazu leisten, den emotionalen Zugang zu schulischen Lernaktivitäten zu verbessern.

Aber auch auf der strategischen Ebene erweisen sich erkennbar gemachte Gelingenserfahrungen als hilfreich. Wer sieht, dass eine bestimmte Arbeitsweise sich als erfolgreich erwiesen hat, kann sein Strategierepertoire entsprechend anpassen. Und damit die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen.
 


Reflektieren

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Karten zum Lernverständins: Ergebnisse und Prozesse reflektieren

Die Reflexion zielt darauf ab, sich des eigenen Lernens bewusst zu werden. Und natürlich: daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Reflexion beschränkt sich keineswegs einfach darauf, ein Ziel mit einem Ergebnis zu vergleichen. Sondern es geht darum, die Wahrscheinlichkeit zukünftigen Erfolgs zu erhöhen. Deshalb bezieht sich das Nachdenken über das eigene Lernen mindestens ebenso auf das Zustandekommen der Ergebnisse und auf die entsprechenden Befindlichkeiten.

Lerntagebuch und Lernjournale, Portfolios und Lerndokumentationen, Layout und Smarties sowie viele andere Werkzeuge helfen dabei, Erkenntnisse und Erfahrungen zu verbalisieren. Gespräche – einzeln oder in Gruppen - mit Lehrpersonen und Lernpartnern bieten die Möglichkeit, qualifizierte Feedbacks zu erhalten und eigene Wahrnehmungen mit anderen zu vergleichen.

Reflektieren, Bilanz ziehen, das ist Ende und Anfang zugleich. Denn das, was sich aus dem vergleichenden Nachdenken als Ergebnis ergibt, bildet die Grundlage für das, was in die Zukunft führt. Deshalb ist es wichtig, sich der Logik des Gelingens entlang zu orientieren, das, was funktioniert hat, ins Visier zu nehmen. Oder anders gesagt: Catch them, when they are good. Erwische die Lernenden beim Gutsein.
 


Fehlerkultur

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Karten zum Lernverständins: Ergebnisse und Prozesse reflektieren

«Wenn in der Schule der Zwang besteht, alles richtig zu machen, ist das was verbesserungswürdig ist, eben falsch.» (Susan M. Brookhart). Dienen Fehler lediglich der Notenarithmetik, setzt als Folge ein Vermeidungs- und Vertuschungsverhalten ein.

F.E.H.L.E.R sind H.E.L.F.E.R

Fehler sind Lernchancen. Damit sie als solche genutzt werden können, braucht es eine positive Fehlerkultur:

  • Lernende mit Fragen dazu einladen, den Fehler zu verstehen
  • Lernende, die Fehler machen, nicht blossstellen
  • Unterschiedliche Lern- und Lösungswege zulassen
  • Nicht nur «richtig» oder «falsch», sondern sehen, was am Lösungsweg in die richtige Richtung zielt und was bereits gelungen ist
  • Gegenseitige Unterstützung der Mitschülerinnen und Mitschüler fördern
  • Schülergruppen als «Fehlerexperten» ausbilden (z.B. typische Satzbaufehler, Grammatikfehler, Satzzeichenfehler) und bei der Korrektur von Texten einsetzen
  • Eigene Fehlerbereitschaft und ‐toleranz überprüfen
  • Sich selber Fehler zugestehen und zu ihnen stehen (Lehrperson als Modell)
  • Korrekturen und Repetitionsmöglichkeiten anbieten (z.B. Nachprüfung)
  • bei Fehlern abgestimmte Wiederholungs- und Vertiefungsaufgaben anbieten

Quelle: Spychiger, Maria; Kuster, Reto; Oser, Fritz: Dimensionen von Fehlerkultur in der Schule und deren Messung. Schweizerische Zeitschrift für Bildungswissenschaften 28 (2006) 1, S. 87-110
 


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