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Personalisiertes Lernen – Das Konzept der lernrelevanten Faktoren

Personalisiertes Lernen ist nicht einfach eine andere Arbeit im System. Es ist auch – und vor allem – Arbeit am System. Es geht darum, auf die lernrelevanten Faktoren bewusst Einfluss zu nehmen und so die individuelle Erfolgswahrscheinlichkeit zu erhöhen.

von Andreas Müller unter Mitwirkung von Gerold Brägger


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Zusammenspiel lernrelevante Faktoren

Lernen ist immer individuell und persönlich. Der Komplexität des Lernens ist mit einfachen Strickmustern nicht beizukommen. Jedenfalls nicht nachhaltig. Auch schulisches Lernen ist nicht einfach die Reaktion auf Lehren. Es wird nicht gelernt, was gelehrt wird. Schulisches Lernen wird mit höherer Wahrscheinlichkeit erfolgreich und Sinn stiftend, wenn es gelingt, das Zusammenspiel von Faktoren zu beeinflussen, die sich positiv auf den individuellen Lernerfolg auswirken.

Die Faktoren, die erfolgreiches Lernen fördern, wirken integral durch die Dynamik ihrer Rückkoppelungsprozesse. Aufgabe der Schule ist es deshalb, für ein optimales Zusammenwirken zu sorgen und die lernrelevanten Faktoren (LRF) möglichst günstig zu beeinflussen – mit dem Ziel, Lernen erfolgswahrscheinlich zu gestalten.
 


1 Orientierung bieten

Lernrelevanter Faktor 1: Orientierung bieten

Grundlage des Lernens ist eine transparente und einsichtige Orientierung – quasi eine inhaltliche Landkarte. Es geht darum, zu wissen, was man können könnte. Es geht darum, die Erwartungen abzustecken (Referenzwerte). Und es geht um das Bewusstsein der eigenen Situation: Wo stehe ich? Wo will ich hin? Wie komme ich dorthin?
 


2 Auseinandersetzung

Lernrelevanter Faktor 2: Auseinandersetzung und Verstehen fördern

Das Ziel heisst: Verstehen. Aus etwas Fremdem etwas Eigenes machen. Einer Spur folgen und konstruktiv mit Widerständen umgehen. Lernnachweise auf individuellem Herausforderungsniveau sind das Ergebnis eigener Zielformulierungen.
 


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Lernrelevanter Faktor 3: Lernarrangements verbindlich organisieren

Offene und bedürfnisgerechte Arbeitsformen führen zu einer Verlagerung des Aktivitätsschwerpunktes zu den Lernenden. Ein produktiver Umgang mit Vielfalt wird auf der Grundlage einer Vereinbarungs- und Einforderungskultur möglich. Lernorganisation ist immer auch (und vor allem) Selbstorganisation.
 


4 Evaluation

Lernrelevanter Faktor 4: Evaluation: Formative Bewertung und selbstreflexives Lernen

Kompetenzorientiertes Lernen verlangt nach entsprechendem Umgang mit Lernleistungen: referenzieren, präsentieren, reflektieren, dokumentieren. Es geht darum, eine Kultur der formativen Bewertung und des selbstreflexiven Lernens aufzubauen.
 


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Lernrelevanter Faktor 5: Lernorte aktiv zur Verfügung stellen

Der Lernort beeinflusst als «dritter Pädagoge» das Verhalten der Lernenden. Wenn es darum gehen soll, Lernen mit Erleben zu verbinden, Belehrung durch Erfahrung zu ersetzen, dann geht das nicht, ohne dem Ort des Geschehens die nötige Beachtung zu schenken.
 


6 Interaktion

Lernrelevanter Faktor 6: Interaktion lösungsorientiert gestalten

Eine lösungs- und entwicklungsorientierte Interaktion folgt der Logik des Gelingens. Das setzt ein Interesse an den Lernenden und an ihrem Erfolg voraus. In einer Kultur des voneinander und miteinander Lernens werden Betroffene zu Beteiligten.
 


7 Menschenbild

Menschenbild, Rollen-, Lern- und Funktionsverständnis

Die sechs lernrelevanten Faktoren sind eingebettet in vier basale Faktoren. Dabei geht es in erster Linie um Haltungen und Einstellungen – zu sich, zu anderen und zu den Dingen.